Dreimonatskoliken bei Babys
Hilfe für Leiden, die nur Babys betreffen
Dreimonatskoliken können dem kleinen neuen Erdenbürger den Start in’s Leben ganz erheblich beeinträchtigen und die jungen Eltern fühlen sich verunsichert, fragen sich, ob sie irgend etwas falsch machen. Im Allgemeinen werden diese Koliken wie folgt beschrieben: “Schreiattacken mit an den Bauch angezogenen Beinen, bretthartem Bauch, mindestens drei Stunden täglich, an mindestens drei Tagen in der Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen.”
Unserer Meinung nach wird dabei außer Acht gelassen, daß man Symptome nicht für jeden einzelnen Menschen allgemeinverbindlich formulieren kann. So, wie der Eine seine Krankheitserscheinungen mit den Worten “er müsse täglich sicherlich 20 mal husten” beschreibt, spricht ein Anderer von “anhaltenden Hustenanfällen mit Verkrampfungen im Brustkorb und Atemnot bis hin zur völligen Erschöpfung”. Beide leiden an einer “Bronchitis”!
Beschreibung der Dreimonatskolik im Detail
“...angezogene Beine und brettharter Bauch”
Die angezogenen Beine sind keinesfalls unbedingt zwangsläufig - manches Baby überstreckt während des Schreiens seinen Körper mit abgespreizten Armen und Beinen! Beim Schreien wird die Bauchdecke lediglich durch die angespannte Bauchmuskulatur hart. (Eine “brettharte” Bauchdecke ohne Schreien sollte jede Mutter alarmieren, sofort mit dem Kind in’s Krankenhaus zu fahren, da es sich hierbei um schwere, akute Erkrankungen des Bauchraumes handeln könnte!)
“...mindestens drei Stunden täglich an mindestens drei Tagen in der Woche”
Im Umkehrschluß müßte das heißen, daß die Diagnose “Dreimonatskolik” nicht zutreffen würde, wenn das Baby insgesamt “nur” zwei Stunden täglich oder wöchentlich nur zwei Mal schreit. Diese genau bezifferte Aussage ist sehr irritierend. Manche Mütter versuchen, die Zeiten des Schreiens aufzuaddieren - um zu wissen, ob das Kind eine Dreimonatskolik hat, oder nicht! Und wenn es täglich insgesamt nur eineinhalb Stunden schrilles Schreien sind?
Die Schreie eines Babys richtig interpretieren
Nicht wenige Mütter haben schon vor lauter Konzentration auf die Koliken vergessen, ihr Kind zu füttern: Ein hungriges Baby schreit durchaus auch sehr schrill....! Welches Schreien gehört zu den Koliken, welches beruht auf anderen Nöten? Während besonderer Wachstumsschübe brauchen Babies über Tage hinweg manchmal alle zwei Stunden Nachschub. Dieser erhöhte Bedarf kommt ohne Vorankündigung, und ein kleines Kind kann ja nur durch Schreien auf seine Bedürfnisse aufmerksam machen.
Die Diagnose Dreimonatskolik wird von manchen Eltern recht leichtfertig verwendet: Das Baby schreit ständig und immer wieder, also hat es Dreimonatskoliken. Das ist die falsche Vorgehensweise. Versuchen Sie es besser nach dem Ausschlußverfahren:
Vergewissern Sie sich, daß Ihr Kind weder:
- Hunger hat
- noch Durst
- keine vollen Windeln
- keinen Zuwendungsbedarf
und auch nicht krank ist. (Das KISS-Syndrom muß natürlich ebenfalls ausgeschlossen sein). Wenn das alles nicht zutrifft und wenn tatsächlich von Koliken auszugehen ist, was kann man dann dagegen machen? Medikamente geben? Es gibt es kaum eine Medikation, bei der nicht auch mehr oder weniger starke Nebenwirkungen auftreten können, deren man sich immer bewußt sein sollte (Ist die Einnahme lebensnotwendig, müssen eventuelle Nachteile wegen Nebenwirkungen natürlich zurücktreten!).
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Text: Peter Pflug - Artikel vom: 27.01.2007