Der Siegeszug der Nylons

Nylon - Erstmalig aus synthetischen Fasern

Bereits im Februar 1935 wurde die erste synthetische Faser aus Kohlenstoff, Wasser und Luft, namentlich Nylon, in Delaware, USA patentiert. Fast zur selben Zeit arbeiteten Wissenschaftler in Deutschland ebenfalls an einer synthetischen Faser. Hier wurde sie aber Perlon genannt. Leider wurde erst nach dem Krieg der berühmte Perlonstrumpf daraus. Welche Auswirkungen diese synthetischen Fasern, speziell Nylon, auch auf die Modewelt, speziell im Bereich der Damenunterwäsche und Dessous, haben würde, war damals noch nicht überschaubar ,lag doch ein Hauptaugenmerk auf der militärischen Nutzung z.b. als Fallschirmstoff.

Bis zum Jahre 1940 wurde die Faser Nylon weiterentwickelt und verfeinert und der Siegeszug in der Modewelt konnte beginnen. Durch Vorankündigungen und Werbungen in Modezeitschriften angeheizt, begann der erste Run auf die zarten Nylons im Mai 1940 mit dem ersten Verkauf in amerikanischen Modehäusern. Die zarten Damenstrümpfe aus Nylon waren ein durchschlagender Erfolg, ersetzten sie doch die kratzigen Wollstrümpfe und die fast unerschwinglichen Seidenstrümpfe. Für diesen ersten öffentlichen Verkauf wurden zwei Millionen Paar Nylonstrümpfe gewirkt, welche innerhalb von nur vier Tagen ausverkauft waren. Bei den damaligen gigantischen Preisen für ein paar Nylons ein wirklicher Siegeszug dieses zarten Beinkleides!

Nach dem Krieg setzen sich Nylons auch in Deutschland durch

Deutschland war durch die Wirren des zweiten Weltkrieges von dieser neuen Modeschöpfung fast gänzlich unberührt geblieben. Dies änderte sich schlagartig nach dem Ende des Krieges. Durch die amerikanische Besatzung begann auch hier der Siegeszug der Nylons. Amerikanische Soldaten beschenkten gerne ihre deutschen Freundinnen mit den zarten Nylons.

Die Frauen liebten dieses neue Gefühl von Luxus - und den Männern verdrehten sie mit Ihren Nylons den Kopf. Besonders ein Detail der Nylons fiel den Männern immer wieder ins Auge - die obligatorische Naht. Eigentlich war die Naht an den Damenstrümpfen ein notwendiges Übel durch die damalige Art der Produktion, wurden doch die Nylons auf Cottenmaschinen gewirkt und das Gewebe erst danach vernäht. Die erotische Ausstrahlung dieser Naht an den echten Nylons ist bis heute geblieben.

Erste Nylonstrümpfe aus Wuppertal

Selbst die deutsche Nachkriegsindustrie profitierte von den zarten Damenstrümpfen. So wurden 1950 bereits die ersten glänzenden Nylonstrümpfe in Wuppertal gefertigt. Im Jahr 1958 kamen dann die ersten Nylons ohne Naht auf den Markt und bereits zwei Jahre später hielt die Damenfeinstrumpfhose aus Nylon Einzug in die Modewelt. Strümpfe und Strumpfhosen wurden zu einem billigen Massenprodukt und sind in einer riesigen Auswahl an Farben und Materialien erhältlich.

Aber auch heute üben echte Nylonstrümpfe, gefertigt auf diesen alten mechanischen Maschinen, eine große Faszination auf Frauen wie auf Männer aus. Nylons mit Naht, in Verbindung mit passenden Strapsen oder Hüfthaltern, haben als erotischer Blickfang noch lange nicht ausgedient!

Text: Jens Lemke - Artikel vom: 09.02.2007