Hôtel de Beauvais in Paris
Französische Baukunst aus dem 17.Jahrhundert
Wer die Schönheit Pariser Architektur bewundern möchte, dem sei ein Besuch in der ehemaligen bayerischen Botschaft, dem „Hôtel de Beavais“ empfohlen: Hier entstand zwischen 1655 und 1660 eines der ungewöhnlichsten Pariser Hôtels, das „Hôtel de Beauvais“. Nach Plänen des königlichen Architekten Antoine Lepautre auf dem Grund der Äbte von Châalis begonnen, bewältigt dieses Projekt den unregelmäßigen 17-seitigen Baugrund mit erstaunlicher symmetrischer Strenge.
Die freie Form des Hofes lässt einen bemerkenswerten Umgang mit der erschwerten Ausgangssituation erkennen. Er ist als eine Abfolge von Rechteck, Trapez und Halbkreis beschreibbar, wodurch beim Betreten einen gewissen räumlichen Tiefenzug bewirkt wird. Das konvexe, kreisrunde Vestibül bildet den Übergang zum konkaven Hof, der sich nach der grundlegenden Umgestaltung der Fassaden 1740-1799 mit Pilastern, Gesimsen, Konsolen, Masken und skulptierten Giebelfeldern dekoriert zeigt. Die Widder im Figurenfries spielen auf den Namen der Auftraggeberin an (bélier = Widder).
Eigenwillige Raumeinteilung der Bel Etage
Die Flügel, die sich nach rechts und nach hinten erstrecken, schlossen ursprünglich unterschiedliche Wirtschaftsräume ein. Die Wohnräume der „Bel Etage“ (erstes Obergeschoss) erstreckten sich nicht nur über das Haupthaus, sonder ebenso über diese Flügel. Bemerkenswert ist dabei, dass die Aufteilung dieser Etage nicht mit der des Erdgeschosses übereinstimmte, eine Freiheit in der Planung, die einige Jahrzehnte zuvor noch nicht denkbar gewesen wäre.
An der Spitze der Anlage befand sich eine Hauskapelle, während sich zur linken Seite an das Vestibül das aufwendig ausgestattete Treppenhaus anschließt. Ein weiterer bemerkenswerter Gebäudeteil ist der Ende der siebziger Jahre freigelegte Keller aus dem 12. Jahrhundert mit gotischem Kreuzrippengewölbe, der aufschlussreiches Zugnis der alten Bausubstanz und damit allgemeiner Pariser Stadtgeschichte gibt.
Ehemaliges Wohnhaus der Familie Mozart
Erbaut wurde das „Hôtel“ für Catherine Henriette Bellier, die erste Kammerzofe der Anna von Österreich, und ihren Mann Pierre de Beauvais. Die Reihe der illustren Bewohner wurde unter anderem durch den Bayerischen Botschafter Graf van Eyck weitergeführt, der das Haus 1755 mietete und 1769 kaufte. 1763-64 diente es für ein halbes Jahr der Familie Mozart mit dem damals siebenjährigen Wolfgang Amadeus als Herberge in Paris, und auch Christine von Schweden hielt sich hier während ihres Exils zeitweise auf.
Die Pariser „Hôtels“ waren nicht nur eine architektonische Inspirationsquelle über die Landesgrenzen hinweg, auch ihr Komfort wurde allgemein geschätzt! 1943 wurde das „Hôtel Beauvais“ schließlich von der Stadt Paris erworben und vor dem mittlerweile drohenden Verfall bewahrt. Erst 2003 erhielt es seine heutige Bestimmung. Wie die meisten ehemaligen herrschaftlichen Stadthäuser, gehört auch das „Hôtel de Beauvais“ heute dem Staat, der hier das Verwaltungsgericht untergebracht hat.
Text: Katrin Dubois - Artikel vom: 08.05.2007